40
Jahre Filmklub
Als im Jahre 1969 das letzte Lauffener Kino,
die „Filmbühne“, seine Tore endgültig schloss, war
die Enttäuschung groß. Eine Ära war zu Ende, das
Fernsehen hatte die Macht übernommen.
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Doch ein kleines, unerschrockenes Häuflein von
Abiturienten des Gymnasiums wollte sich nicht mit
dem Schicksal abfinden. Zusammen mit einem filmbegeisterten
Lehrer gründete man den „Filmklub“ - ganz bewusst
in deutscher Schreibweise mit „k“, um so dem Lauffener
Publikum doch noch ein Kino zu bieten. Natürlich
sollte es auch etwas Besonderes werden: Nur Filme
ab einer Mindestqualitätsstufe wollte man zeigen.
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Auch die technische Qualität der Vorführung sollte
dem entsprechen. So bastelte man in den Sommerferien
eine schalldichte Filmkabine, ebenso kümmerte man
sich um die Tonqualität und konstruierte eine Lautsprecheranlage.
Ins Programm kamen gehobene Filmkunst, aber auch
intelligente Komödien und hintersinnige Krimis.
Das Lauffener Publikum belohnte die Mühe mit gleichbleibend
gutem Besuch über viele Jahre hinweg.
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Schließlich ging mit der Fertigstellung des Neubaus
des Hölderlin-Gymnasiums in der Charlottenstraße
im Jahre 1975 auch ein langgehegter Wunsch des Filmklubs
in Erfüllung. Die neue Aula bot mit über 100 Sitzplätzen
und einer heute acht Meter breiten Leinwand die
Voraussetzung für die volle Entfaltung der Eigeninitiative.
Auch jetzt wurde wieder an der Technik gefeilt.
Zur Zeit ist sogar digitaler „Surround-Sound“ möglich
und man projiziert mit einem LCD-Projektor der oberen
Qualitätsklasse.
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All dies dient jedoch immer noch dem einen stets
gleichen Ziel: des Kino neben dem Theater als eigenständige
neue Kunstform im 20. und 21. Jahrhundert zu etablieren.
Filme wie „Der Pianist“, „Das Leben der Anderen“,
„Die Welle“ beweisen dies und markieren die Höhepunkte
der vergangenen Jahre.
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Ein besonderes Ereignis stellt auch stets der
einmal im Jahr stattfindende „Stummfilmabend“ mit
Andreas Benz dar, der bereits zu den traditionellen
Veranstaltungen im Lauffener Kulturleben zählt.
So erfüllt der „Filmklub Lauffen“ einen kulturellen
Auftrag, der unserer Stadt vor 40 Jahren beinahe
verloren gegangen wäre. Das Filmklub-Fest am nächsten
Donnerstag, den 9. Juli (siehe im redaktionellen
Teil) soll dies wieder ein bisschen mehr zu Bewusstsein
bringen.
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Filmklub-Fest
Anlässlich seines 40-jährigen Jubiläums veranstaltet
der Filmklub am Donnerstag, den 9. Juli 2009 im
Hölderlin-Gymnasium ein großes Filmfest. Es beginnt
um 17.00 Uhr in der Aula mit der Vorführung von
Kurz- und Langfilmen des Komiker-Duos „Laurel und
Hardy“. Leider wurden die Filme dieser beiden hochkarätigen
Künstler im Deutschland der Nachkriegszeit in Kindervorstellungen
verschlissen, teils drastisch gekürzt und unter
dem diskriminierendem Pseudonym „Dick und Doof“.
Inzwischen werden jedoch Stan Laurel und Oliver
Hardy in Fachkreisen unumstritten als eines der
größten Komikerduos der Filmgeschichte gehandelt.
In den 70-er-Jahren gab es daher Wiederaufführungen
der vollständigen Fassungen ihrer Filme, auch im
englischen Original. In der letzten Zeit ist es
ein wenig stiller um die beiden geworden. Aus diesem
Grund möchte der Filmklub mit einigen ihrer besten
Produktionen wieder an diese beiden großen Komiker
erinnern.
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Der Abend ist in besonderer Weise der eigentlichen
Filmklub-Geschichte gewidmet: Um 20.00 Uhr kommt
es zu einer Wiederaufführung desjenigen Films, der
vor 40 Jahren die Reihe der Vorstellungen einleitete:
„Abenteuer in Rio“ („L’ homme de Rio“) von Philippe
de Broca. Dieser Regisseur gehörte damals, in den
60-er-Jahren, zur Gruppe der jungen französischen
Revoluzzer, die mit der „Nouvelle vague“ eine neue
Art von Realismus kreierten, um vom antiquierten
Hollywood-Stil wegzukommen. Auch heute noch ist
diese Frische in „Abenteuer in Rio“ zu spüren. De
Broca gelang es in einmaliger Weise, Komödie, Krimi,
Abenteuerfilm und psychologischen Thriller in einem
Werk zu vereinen. Hierbei steht ihm der damals noch
junge Jean-Paul Belmondo mit seinen wagemutigen
(und von ihm selbst ausgeführten!) Stunts ebenbürtig
zur Seite. Dessen Schauspielkünste allein sind es
schon Wert, sich diesen Film anzusehen. In der weiblichen
Hauptrolle brilliert Françoise Dorléac, die leider
bei einem Unfall viel zu früh verstorbene Schwester
von Catherine Deneuve.
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In den Vorführpausen wird es die Möglichkeit
geben, sich mit einem kleinen Imbiss und durch Getränke
zu stärken, um dieses lange Programm auch durchstehen
zu können.
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Die Vorführungen finden in der Aula des Hölderlin-Gymnasiums
in der Charlottenstraße statt und stehen allen Interessierten
offen. Der Eintritt ist frei.
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Walther Bien
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