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Vorführung:
Donnerstag, 16.10.2008 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
| Die Fälscher |
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| Deutschland/Österreich, 2006 |
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| Länge: |
98 Minuten |
| FSK: |
ab 12; f |
| FBW: |
bw |
| Produktion: |
Nina Bohlmann, Babette Schröder, Caroline von
Senden, Henning Molfenter, Carl L. Woebcken
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| Regie: |
Stefan Ruzowitzky
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| Buch: |
Stefan Ruzowitzky
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| Kamera: |
Benedict Neuenfels
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| Musik: |
Marius Ruhland
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| Schnitt: |
Britta Nahler
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| Darsteller |
Karl Markovics (Salomon Sorowitsch), August Diehl
(Adolf Burger), Devid Striesow (Friedrich Herzog),
Martin Brambach (Holst), August Zirner (Dr. Klinger),
Veit Stübner (Atze), Sebastian Urzendowsky (Kolja),
Andreas Schmidt (Zilinski), Tilo Prückner (Dr. Hahn),
Lenn Kudrjawizki (Loszek), Marie Bäumer (Aglaia),
Dolores Chaplin (die Rothaarige), Arndt Schwering-Sohnrey
(Hans)
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Auszeichnungen:
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Oscar 2008 - Bester fremdsprachiger Film
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| Kurzkritik |
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In einem Sondertrakt des KZ Sachsenhausen können
einige Gefangene ihr Leben retten, weil ihre Fachkenntnisse
von den Nazis für eine Geldfälsch-Aktion im großen
Stil benötigt werden. Diese lebensrettende Maßnahme
führt allerdings zu erheblichen moralischen Konflikten
bei vielen Beteiligten. Ein kammerspielartig inszeniertes,
darstellerisch hervorragendes Drama nach historisch
verbürgten Ereignissen, das den Gewissenskonflikt
seiner Protagonisten ins Zentrum der Handlung stellt,
sich selbst jedoch einer eindeutigen Parteinahme
enthält. - Sehenswert ab 14.
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Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr. 26001
Darf man über 60 Jahre nach Auschwitz wieder
Filme über Konzentrationslager machen? Filme, die
nicht bloß entsetzlich grausam sind, sondern zudem
noch kurzweilig, ja unterhaltsam? Der österreichische
Regisseur Stefan Ruzowitzky hat den Versuch gewagt.
Mit „Die Fälscher“ traute er sich an einen vielschichtigen
historischen Stoff, den zu bewältigen er nicht gerade
prädestiniert schien. Zuletzt war Ruzowitzky bei
„Anatomie 2“ (fd 35 844) mit biederem Retortenkino
kläglich am Versuch gescheitert, das US-Horrorgenre
in deutsche Filmsprache zu übersetzen. Für „Die
Fälscher“ galt es nun, den Balanceakt zwischen kurzweiligem
Unterhaltungskino und aufwühlendem KZ-Drama zu bestehen,
was Ruzowitzky erstaunlich souverän meisterte. Dass
dies überhaupt gelingen konnte, liegt daran, dass
der Film nicht im Hauptlager des KZ Sachsenhausen
spielt, sondern in einem davon abgetrennten Trakt,
in dem die Gefangenen eine Vorzugsbehandlung erhielten.
Basierend auf den Lebenserinnerungen des ehemaligen
KZ-Häftlings Adolf Burger erzählt der Film die wahre
Geschichte einer großangelegten Geldfälschungsaktion
gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. In ihren vom
restlichen Lager abgeschotteten Baracken sollen
speziell ausgewählte Häftlinge (Drucker, Schriftsetzer,
etc.), angeleitet vom jüdischen Meisterfälscher
Sorowitsch, ausländische Devisen herstellen. Das
ermöglicht es ihnen, unter einigermaßen erträglichen
Bedingungen zu überleben. Gleichzeitig unterstützen
sie damit aber auch die Nazis in ihrem Bemühen,
den Krieg zu verlängern.
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Kammerspielartig inszeniert Ruzowitzky den Gewissenskonflikt
der Fälscher als das innere Drama des Films. In
die Mäntel, die den Häftlingen zugewiesen werden,
sind Namensschilder eingenäht. Jeder weiß, was aus
ihren ehemaligen Trägern geworden ist. Und die Ausweise,
die den Fälschern als Hilfsmittel zur Verfügung
gestellt werden, stammen aus dem Vernichtungslager
Auschwitz. Es sind jüdische Dokumente. Als einer
der Gefangenen unter den Papieren die Ausweise seiner
Familie findet, bricht er zusammen. Wenig später
nimmt er sich das Leben. Trügerisch wie die Devisen,
die sie für die Nazis herstellen sollen, ist auch
die verhältnismäßig bequeme Lage, in der sich die
Geldfälscher befinden. Sie wissen, dass das Ende
der Fälschungsaktion ihren Tod bedeuten dürfte.
Weil er es aber für unmoralisch hält, den Deutschen
zu helfen, sabotiert Burger gegen den Willen seiner
Mitgefangenen das Unternehmen und bringt damit nicht
nur sich selbst in Gefahr. Was mit denen geschieht,
die für die Nazis an Wert verlieren, müssen die
Fälscher erleben, als einer der Gefangenen schwer
erkrankt und kurzerhand erschossen wird. Doch wie
hoch ist andererseits der Preis des Überlebens!
Während die Fälscher diesseits der Bretterwand sogar
Pingpong spielen dürfen, dringen von der anderen
Seite Schüsse und Schreie herüber. Deutsche Soldaten
lachen. Entsetzt legen die Ohrenzeugen die Pingpongschläger
beiseite. Aber dann tritt Burger mit wütend-stolzem
Blick zurück an die Tischtennisplatte, um das Spiel
demonstrativ fortzusetzen und so allen die Perversion
ihrer Lage vor Augen zu führen. Es ist eine prägnante,
schauerliche Szene, die den realen historischen
Irrsinn pointiert auf die Leinwand bringt. Der Holocaust
findet großteils im Off statt und bleibt doch allgegenwärtig.
Da mag der von Devid Striesow hinterhältig gut gespielte
SS-Mann Herzog noch so jovial daherkommen, alle
ahnen, was sich hinter den dünnen Bretterverschlägen
abspielt, die den Fälschertrakt vom restlichen KZ
trennen. Doch welche Wahl bleibt den Fälschern?
Sie dürften den Nazis nicht den Gefallen tun, sich
dafür zu schämen, dass sie noch lebten, beharrt
Sorowitsch zurecht. In dem schlawinernden Kleinkriminellen
und dem radikalen Idealisten Burger personifiziert
der Film zwei alternative Handlungswege, die beständig
an moralische Grenzen stoßen; wenn auch auf unterschiedlichen
Seiten. Es spricht für den Film, dass er nicht einfach
Partei ergreift. Dennoch geraten die Charaktere
besonders in den Nebenfiguren zu flach, zu sehr
auf einen dramaturgischen Konflikt zurechttypisiert.
Wo der von Karl Markovics überzeugend gespielte
Sorowitsch noch Facetten zeigt und dem Zuschauer
Rätsel aufgibt, präsentiert August Diehl seinen
Konterpart Burger enttäuschend linear und schablonenhaft.
Und die KZ-Wärter sind einfach nur dumpfe Nazis,
ohne jedes Gefühl für gut und böse. Wer aber nicht
spürt, dass er falsch handelt, hat der noch ein
Gewissen? Menschen jedenfalls sind das nicht mehr,
allenfalls uniformierte Bestien. Den eigentlichen
Konflikt verlagert Ruzowitzkys Film auf die jüdische
Ebene. Doch auch hier tauchen Stereotypen auf –
wie etwa der brave Bildungsbürger, der sich dagegen
verwehrt, zur Beteiligung an einer Straftat (der
Geldfälschung) gezwungen zu werden. Unterm Strich
sind es vor allem die moralischen Fallstricke und
menschlichen Leidenswege der wahren Geschichte,
durch die „Die Fälscher“ nachwirkt, nicht so sehr
ihre Inszenierung.
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Stefan Volk |

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