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Vorführung:
Donnerstag, 13.11.2008 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
| Klopka - Die Falle
Serbien und Montenegro/Deutschland/Ungarn, 2006
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| Länge: |
105 Minuten |
| FSK: |
ab 12; f |
| FBW: |
bw |
| Produktion: |
Jelena Mitrovic, László Kántor, Jörg Rothe, Alexander
Ris, Natasa Ninkovic, Maxa Catovic
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| Regie: |
Srdjan Golubovic
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| Buch: |
Srdjan Koljevic, Melina Pota Koljevic
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| Kamera: |
Aleksandar Ilic
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| Musik: |
Mario Schneider
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| Schnitt: |
Marko Glusac, Dejan Urosevic
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| Darsteller |
Nebojsa Glogovac (Mladen), Natasa Ninkovic (Marija),
Anica Dobra (Jelena), Miki Manojlovic (Kosta Antic),
Bogdan Diklic (Dr. Lukic), Dejan Cukic (Petar Ivkovic),
Vuk Kostic (Petars Bruder), Vojin Cetkovic (Vlada)
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| Kurzkritik |
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Um die lebensnotwendige Operation seines Sohns
bezahlen zu können, begeht ein Architekt einen Auftragsmord
im Mafia-Milieu. Präzise inszenierter Thriller,
der die Metaphrase auf den Niedergang der Mittelschicht
in Serbien mit dem universellen Handwerkszeug des
Psychodramas angeht. Konzipiert als balkanische
Version von "Schuld und Sühne", erzählt
der Film die Persönlichkeitstransformation in einer
differenzierten Bildsprache, die ihren ureigenen
Stil zwischen Close-Ups und Inszenierung der stadträumlichen
Architektur findet. - Ab 16.
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Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr. 38364
In den letzten Jahren ist im osteuropäischen
Kino viel über den ökonomischen Niedergang gesagt
worden, der die seelische Deprivation ganzer Gesellschaftsschichten
zur Folge hatte. Oft wurden dabei Elendsklischees
und Gewaltmetaphern überstrapaziert. Dem Serben
Srdan Golubovic ist nun ein präzise inszenierter
Thriller gelungen, der die Metaphrase auf die Gesellschaft
mit dem universellen Handwerkszeug des Psychodramas
angeht: Mladen und seine Frau Marija führen mit
ihrem Sohn Nemanja ein durchschnittliches Leben
im gegenwärtigen Belgrad. Dem Architekten und der
Lehrerin, beide in Vollzeit arbeitstätig, bleibt
gerade mal genug Geld für den Alltag in der Dreizimmerwohnung,
einfache Steh-Parties mit Freunden und den uralten
Renault R4. Als bei dem Sohn eine lebensgefährliche
Herzerkrankung festgestellt wird, rät der Arzt zur
Operation im Ausland. Um die dafür notwendigen 26.000
Euro aufzutreiben, schaltet man eine Zeitungsanzeige,
auf die sich ein dubioser „Patriot“ meldet. Um die
lebensrettende Operation seines Sohns bezahlen zu
können, begeht Mladen einen Auftragsmord im Mafia-Milieu.
Doch schon bald wird er zum seelisch Gehetzten.
Die Verheimlichung der Tat vor seiner Ehefrau gerät
zum emotionalen Poker, und beim Verrat an den eigenen
moralischen Maßstäben macht auch das Gewissen nicht
mehr lange mit.
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Eine „balkanische Version von ‚Schuld und Sühne‘“,
so Golubovic, vor dem Hintergrund eines aus dem
Ruder gelaufenen Transitionsprozesses in einem Land,
das seit mehr als einem Jahrzehnt von Kriegen und
Kriegsgewinnlern geprägt ist. Die Idee dazu bekam
der 35-jährige Regisseur beim Lesen von Tageszeitungen,
die tatsächlich voll sind von Anzeigen, in denen
Menschen öffentlich um Hilfe für ihre kranken Kinder
bitten. Für den Regisseur auch Ausdruck eines Niedergangs
der Mittelschicht, die eigentlich überall zu den
Stützen der Gesellschaft gehört: „Mladen und Marija
sind gebildete Menschen, die in dieser neuen Zeit
auf keinen grünen Zweig kommen, weil ‚es zu schaffen‘,
wie Marija in einer Szene sagt, bedeuten würde,
die Grenzen der Moral zu überschreiten. In ‚Die
Falle‘ wird ein Mann zum Killer, der das vorher
niemals für möglich gehalten hätte.“ Symbol für
die Mittelschicht, die es nicht mehr gibt, ist jener
R4, einst als „kleiner Riese“ beworben, heute klappriger
Zeuge einer besseren Zeit. Auch Nemanjas Arzt, ein
hochqualifizierter Chirurg, fährt ein solches Auto.
„Die Falle“ beschreibt die Gratwanderung eines Menschen,
dessen ökonomische und seelische Reserven erschöpft
sind; eine existenzielle Situation, in der bewährte
Gut-Böse-Schemata versagen müssen. Golubovic seziert
die Persönlichkeitstransformation aus der Perspektive
einer Beichte, eindringlich und mit Respekt für
seine Protagonisten. Mit der differenzierten Bildsprache,
die ihren ureigenen Stil zwischen Close-Ups und
Inszenierung der stadträumlichen Architektur findet,
beweist „Die Falle“ einen filmkünstlerischen Umgang
mit dem Thema, der jenseits platter Metaphorik auf
das Persönliche der Geschichte verweist. Auch wenn
der Protagonist vom sorgenden Vater zum Monster
mutiert – eine moralische Verurteilung gibt es nicht.
Damit folgt Golubovic dem konsequenten, bitteren
Realismus seines vorhergehenden Spielfilms „Apsolutnih
sto“ („Volle 100“, 2001), der das Schicksal eines
früheren olympischen Sportschützen und späteren
Ex-Snipers der Jugoslawischen Volksarmee beschreibt,
der nach dem Krieg traumatisiert und von seinen
ehemaligen Vorgesetzten allein gelassen vor sich
hin vegetiert, bis sein kleinerer Bruder mit einem
verzweifelten Akt der Selbstjustiz die Familienwürde
wiederherzustellen versucht. Auch „Die Falle“ entstand
bei der Produktionsfirma Bas Celik, die 1998 von
Golubovic mitgegründet wurde und vor allem von Marketingkampagnen,
Werbeclips und Musikvideos lebt; eine in Osteuropa
nicht unübliche Mischung, die nebenbei vielleicht
den Blick für die Bedürfnisse des Publikums schärft.
Der Spannungsfunke jedenfalls springt sofort über,
nicht zuletzt, weil sich parallel zu Mladens autistischem
Drama eine subtile platonische Dreierbeziehung mit
der neureichen Jelena entspinnt, durch die sich
die Tragödie zweier langjähriger Eheleute offenbart,
deren Zusammenleben von gegenseitigem Misstrauen
geprägt ist. Eine dramaturgische Mischung, die Autorenkino
mit spannender Unterhaltung verbindet.
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Bernd Buder |

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