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Der ewige Gärtner
Mittwoch, 11.06.2008 19:00 Uhr auf deutsch
| Großbritannien,
2005 |
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| Drama, Thriller |
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| Produktionsfirma: |
Potboiler Prod./Scion Films/UK FIlm Council |
| Verleih: |
Kino: Kinowelt/Elite (Schweiz) |
| Länge: |
129 Minuten |
| FSK: |
ab 12; f |
| FBW: |
bw |
| Erstaufführung: |
24.11.2005 Schweiz/12.1.2006/25.7.2006 DVD/21.8.2006 DVD (Special
Edition) |
| Produktion: |
Simon Channing-Williams, Henning Molfenter, Tracey Seaward |
| Regie: |
Fernando Meirelles |
| Buch: |
Jeffrey Caine |
| Buchvorlage: |
John Le Carré (Roman "The Constant Gardener" / "Der ewige
Gärtner" ) |
| Kamera: |
César Charlone |
| Musik: |
Alberto Iglesias |
| Schnitt: |
Claire Simpson |
| Darsteller: |
Ralph Fiennes (Justin Quayle), Rachel Weisz (Tessa Quayle), Hubert Koundé
(Arnold Bluhm), Danny Huston (Sandy Woodrow), Daniele Harford (Miriam),
Packson Ngugi (Beamter im Leichenschauhaus), Bernard Otieno Odour (Journo),
Pete Postlethwaite (Marcus Lorbeer), Anneke Kim Sarnau (Birgit) |
| Kurzkritik |
| Die Ermordung
seiner Frau im afrikanischen Busch bringt einen britischen UN-Mitarbeiter aus
dem Gleichgewicht. Zunächst glaubt er an eine Beziehungstat, doch seine
Recherchen bringen das Komplott eines weltweit agierenden Pharma-Unternehmens
ans Tageslicht, das in Kenia ein unausgereiftes AIDS-Mittel mit verheerenden
Folgen testete. Eindrucksvolle Mischung aus Melodram, Thriller und
Politdrama, die in einer brisanten Geschichte Verfehlungen der
Globalisierungspolitik zu Lasten der Dritten Welt anspricht. Ein ebenso
engagierter wie anspruchsvoller Film, hervorragend gespielt und inszeniert. -
Sehenswert ab 16 |
Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr. 23/2002
Das größte Drama
der Welt, erklärte unlängst der norwegische UN-Nothilfekoordinator Jan
Engeland, spiele sich derzeit weder im Irak noch in Palästina ab, sondern in
Afrika. Das ist nichts Neues. Wer hinsehen mag, weiß schon seit Jahrzehnten,
dass auf dem von der Weltgemeinschaft weitgehend im Stich gelassenen
Kontinent Hungersnöte und Epidemien grausamer Alltag sind. In unschöner
Regelmäßigkeit berichten Medien von den schlimmsten humanitären Katastrophen
und appellieren an die Spendenbereitschaft der reichen Bewohner der
Nordhalbkugel. Viele spenden, weil sie ahnen, dass sie indirekt vom Elend
dieser Armen profitieren. Bestsellerautor John Le Carré hat dieses größte
irdische Drama zum Gegenstand eines Romans gemacht, der von Drehbuchautor
Jeffrey Caine adaptiert wurde und den der brasilianische Regisseur Fernando
Meirelles („City of God“, fd 36 938) nun als packenden romantischen
Politthriller inszenierte. „Der ewige Gärtner“ handelt von denen, die
wegschauen, jenen, die ganz bewusst ihre skrupellosen Geschäfte mit der Armut
machen, und der Handvoll, die gegen dieses Unrecht ankämpfen. Le Carré hat
sein Buch der französischen Menschenrechtsaktivistin Yvette Pierpaoli
gewidmet, die 1999 im Alter von 60 Jahren während eines Einsatzes für die
Internationale Flüchtlingshilfe in Albanien bei einem Autounfall ums Leben
kam. Deutlich jünger, etwa Anfang 30, ist die
fiktive Heldin Tessa Quayle, die zu Beginn in einer entlegenen Gegend im
Norden Kenias ermordet aufgefunden wird. Nach offizieller Lesart der Behörden
wurde sie Opfer einer Beziehungstat. Vom vermeintlichen Mörder, dem Geliebten
Tessas, einem kenianischen Arzt, mit dem sie die Armenviertel des Landes
bereiste, fehlt jede Spur. Tessas hinterbliebener Ehemann, der UN-Mitarbeiter
Justin Quayle, leidet gleich doppelt: zum einen unter dem Tod seiner
geliebten Frau, zum anderen unter der Vorstellung, dass sie ihn betrogen hat.
Bald findet er jedoch heraus, dass es sich bei dem, was Tessa ihm verschwieg,
nicht um eine Affäre handelte, sondern um ein skandalöses Verbrechen, dem sie
auf der Spur war. Kurz nachdem Justin erfährt, dass der mutmaßliche Liebhaber
Tessas schwul ist, wird auch dessen entsetzlich zugerichtete Leiche gefunden.
Justin, der im Gegensatz zu seiner Frau bislang immer zu denen gehörte, die
wegsahen und im Zweifel den bequemeren Weg wählten, fängt nun an, auf eigene
Faust nachzuforschen. Statt sich in sein Hobby, die Gärtnerei, zu flüchten,
fliegt er kreuz und quer durch die Welt, nach Deutschland, England und zurück
nach Afrika, um das aufzudecken, was ein global agierendes Pharma-Unternehmen
mit aller Macht und Gewalt vertuschen möchte: Offensichtlich wurde ein
unausgereiftes, überteuertes AIDS-Medikament an der afrikanischen Bevölkerung
getestet – ohne deren Wissen und mit verheerenden Folgen. Während Justin
einer multinationalen Verschwörung auf die Schliche kommt, beginnt er nicht
nur die Welt mit schärferen Augen zu sehen, sondern in zahlreichen
Rückblenden auch sein bisheriges Leben und seine leidenschaftliche Beziehung
mit Tessa in Frage zu stellen. Raffiniert
verflechten Caine und Meirelles über die Zeitebenen unterschiedliche
dramaturgische Koloraturen. Romantische Love Story, fesselnder Thriller und
aufwühlendes Politdrama finden wie selbstverständlich zueinander. Auf allen
drei Feldern vermag „Der ewige Gärtner“ zu überzeugen. Die ungewöhnliche
Anziehungskraft, die die widersprüchlichen, aber in sich stimmigen
Hauptfiguren aufeinander ausüben, nimmt man dem Schauspielergespann Ralph
Fiennes und Rachel Weisz ohne Weiteres ab. Der Thriller ist rasant,
abwechslungsreich und klug erzählt, mit der nötigen Prise Action,
allenfalls ein wenig verwirrend; doch welcher Thriller wäre das nicht? Vor
allem aber geht das politische wie das menschliche Drama so sehr unter die
Haut, dass es sich immer wieder in den Vordergrund drängt und nicht wie in
manchem pseudopolitischen Krimi zur Staffage degradiert wird. Schnell,
beweglich fotografiert und hart, bisweilen in reportageartigem Stakkato
geschnitten, entwickelt der hochkarätige Stab einen griffigen Stil, der das
Handlungstempo aufnimmt und dem fiktionalen Geschehen Authentizität
verleiht. Unterm Strich zählt „Der ewige Gärtner“ zu den gelungensten und
nachhaltigsten Politthrillern der letzten Jahre; gerade auch, weil er sich
mit Afrika einem Schauplatz aus aktueller Perspektive annimmt, der im
kommerziellen westlichen Kino von „Jenseits von Afrika“ (fd 25 508) über
„Der englische Patient“ (fd 32 406) bis zu „Nirgendwo in Afrika“ (fd 35
201) nostalgisch verklärt oder ignoriert wird. Es scheint nicht einmal zu
hoch gegriffen, „Der ewige Gärtner“ in die Tradition von Carol Reeds „Der
dritte Mann“ (fd 479) zu stellen. Ralph Fiennes ist zwar kein Orson Welles,
und auch im künstlerischen Vergleich zieht Meirelles’ Film den Kürzeren.
Dennoch haben „Der dritte Mann“ und „Der ewige Gärtner“ neben ihrer
thematischen Nähe (in beiden Filmen bereichern sich verbrecherische
Organisationen an der Gesundheit der Armen) vor allem eins gemeinsam: sie
bieten engagiertes und anspruchsvolles Unterhaltungskino.
Stefan Volk
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