Prinz Kaspian von Narina
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Vorführung:

Donnerstag, 30.04.2009 17:00 Uhr und 20:00 Uhr auf deutsch

 

USA/Großbritannien, 2008

 

Länge: 144 Minuten
FSK: ab 12; f
Produktion:

Andrew Adamson, Mark Johnson, Perry Moore, Philip Steuer, Douglas Gresham

Regie:

Andrew Adamson

Buch:

Andrew Adamson, Christopher Markus, Stephen McFeely

Kamera:

Karl Walter Lindenlaub

Musik:

Harry Gregson-Williams

Schnitt:

Josh Campbell, Sim Evan-Jones

Darsteller

Ben Barnes (Prinz Kaspian), William Moseley (Pete Pevensie), Georgie Henley (Lucy Pevensie), Anna Popplewell (Susan Pevensie), Skandar Keynes (Edmund Pevensie), Peter Dinklage (Trumpkin), Warwick Davis (Nikabrik), Sergio Castellitto (König Miraz), Pierfrancesco Favino (General Glozelle), Damian Alcazar (Lord Sopespian), Vincent Grass (Doktor Cornelius)

 

 

Kurzkritik

Vier Geschwister, die während des Zweiten Weltkriegs in London zur Schule gehen, befreien gemeinsam mit Prinz Kaspian, dem rechtmäßigen Thronfolger Narnias, sowie dem Löwen Aslan das Land vom tyrannischen König Miraz. Nach den Fantasy-Geschichten von C.S. Lewis entstandener zweiter Teil der Saga, der nicht an die märchenhafte Fabulierkunst des Vorgängers ("Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia", 2005) heranreicht. Trotz humoriger Nebenfiguren dominiert Schlachtengetümmel, was in der Fabel durchaus angelegte Themen wie Nächstenliebe und Versöhnung überdeckt. Auch in der Charakterzeichnung bleibt die tricktechnisch brillante Inszenierung an der Oberfläche. - Ab 14.

Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr. 38820

Sieben Bände umfassen die in den 1950er-Jahren von C.S. Lewis geschriebenen „Chroniken von Narnia“, die in 36 Sprachen übersetzt wurden und eine Auflage von über einer Million erreichten. Eigentlich erstaunlich, dass das Kino nach dem Fantasy-Filmboom des letzten Jahrzehnts so lange gebraucht hat, um die Bücher für sich zu entdecken. Dafür wurden die Macher aber beim ersten Leinwandabenteuer „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ (fd 37 389) fürstlich entlohnt: Mit 745 Mio. Dollar Einspielergebnis zählt es jetzt schon zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Obwohl der zweite Band „Prinz Kaspian von Narnia“ zeitlich erst nach später erschienenen Büchern spielt, hat man auch bei der filmischen Fortsetzung diese unlogische Reihenfolge beibehalten; vermutlich deshalb, weil man sich nicht von Anfang an auf sieben Filme festlegen und erst einmal das Resultat abwarten wollte.

Während die Parallelwelt-Abenteuer der vier Geschwister Peter, Edmund, Susan und Lucy, die mittlerweile in London zur Schule gehen, nur knapp ein Jahr zurückliegen, sind in Narnia 1300 Jahre vergangen. Der Löwe Aslan wurde seit 1000 Jahren nicht mehr gesehen. König Miraz und seine Telmarer haben das Land erobert und machen ständig Jagd auf die zauberhaften Wesen des Reiches. Nachdem seine Frau Miraz einen Sohn gebar, trachtet er dem rechtmäßigen Thronfolger, Prinz Kaspian, nach dem Leben. In letzter Sekunde bläst dieser in das „Wunderhorn“, und schon werden die vier kleinen Helden aus dem England des Zweiten Weltkriegs in die sagenhafte Welt von Narnia zurückgeholt. Gemeinsam mit Prinz Kaspian befreien sie die unterdrückten Bewohner vom Joch des Tyrannen.

Wenn man die Bücher oder den ersten Film nicht kennt, hat man Schwierigkeiten, in die Geschichte einzutauchen, weil sie kaum erklärt wird und viel Wissen über die Parallelwelt voraussetzt. Zudem entwickelt sie sich, ähnlich wie die „Harry-Potter“-Geschichten, vom überbordenden Fantasy-Spaß für ältere Kinder hin zu eher düsteren Abenteuern für Jugendliche. Während die Kampfszenen im ersten Teil noch recht zurückhaltend inszeniert waren, geht es hier deutlich rabiater zur Sache. Es fließt zwar kein Blut, aber nun stehen „böse“ Menschen im Mittelpunkt der kriegerischen Auseinandersetzung, gegen die man Kindersoldaten in die Schlacht schickt. Mit dieser fragwürdigen Botschaft wird ziemlich sorglos umgegangen; wie auch mit der pathetisch heraufbeschworenen göttlichen Allmacht von Aslan. Überhaupt versagen sich Buch und Inszenierung jede Abweichung vom geradlinigen Weg der Abenteuerstory. „Stolpersteine“ wie eine sich anbietende Verknüpfung von Real- und Fantasy-Welt – immerhin wachsen die vier Kinder während der Bombardierung Londons auf – werden genauso ignoriert wie sich abzeichnende zwischenmenschliche Konflikte und Beziehungen. Die spannungsgeladene Konkurrenz zwischen Peter und Kaspian wird dabei ebenso außer Acht gelassen wie die zarten Schwingungen zwischen Susan und dem Prinzen. Dafür haben Regisseur und Drehbuchautor Andrew Adamson und seine Co-Autoren diesmal für mehr Humor gesorgt. Besonders jener geniale Einfall, als „Musketier“-Mäuse die Katze fesseln, aber auch die putzigen Dachse erinnern an die Qualitäten von Adamsons beiden „Shrek“-Inszenierungen (fd 34 929, fd 36 557). Glücklicherweise konnte man erneut die vier Hauptdarsteller aus dem ersten Teil verpflichten, sodass man sich als Zuschauer nicht an neue Gesichter gewöhnen muss. Freilich nutzt Adamson diesen Vorteil nicht, um die Charaktere deutlicher herauszuarbeiten.

Georgie Henley und Anna Popplewell überspielen das mit ihrer Leinwandpräsenz, während William Moseley und Skandar Keynes etwas langweilig wirken. Ben Barnes bestätigt als Kaspian weitgehend das Klischee des zwar schönen, aber beschränkten Prinzen, jedoch ohne jeden Anflug von Selbstironie. Tilda Swinton wird als Hexe nur ein Kurzauftritt gegönnt. Dafür zeigt sich die Spezialeffekt-Crew um Dean Wright und „Oscar“-Preisträger Richard Taylor erneut von ihrer besten Seite: Der Angriff der Narnianer auf Miraz’ Schloss gehört zu den am besten fotografierten und animierten Actionszenen des Genres. Auch die „Belebung“ von Fabelwesen aus der klassischen Mythologie, etwa Minotauren und Zentauren, lässt tricktechnisch nichts zu wünschen übrig. Das entschädigt die Fantasyfilm-Liebhaber für einigen dramaturgischen Leerlauf im Mittelteil des überlangen Films. Immerhin kann man während dieser Redundanzen davon träumen, die charismatische Anna Popplewell noch einmal in einem Filmkunstwerk wie „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (fd 36 674) wiederzusehen.

 

Rolf-Ruediger Hamacher

  


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