|
|

Vorführung:
Donnerstag, 12.02.2009 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
| Prestige
USA/Großbritannien, 2006
|
|
|
|
| Länge: |
130 Minuten |
| FSK: |
ab 12; f |
| Produktion: |
Christopher Nolan, Aaron Ryder, Emma Thomas
|
| Regie: |
Christopher Nolan
|
| Buch: |
Christopher Nolan, Jonathan Nolan
|
| Kamera: |
Wally Pfister
|
| Musik: |
David Julyan
|
| Schnitt: |
Lee Smith
|
| Darsteller |
Hugh Jackman (Robert Angier), Christian Bale
(Alfred Borden), Michael Caine (Cutter), Piper Perabo
(Julia Angier), Rebecca Hall (Sarah Borden), Scarlett
Johansson (Olivia Wenscombe), Samantha Mahurin (Jess),
David Bowie (Nikolas Tesla), Andy Serkis (Alley)
|
|
|
|
| Kurzkritik |
|
|
Zwei erfolgreiche Zauberkünstler im London des
ausgehenden 19. Jahrhunderts werden durch einen
fehlgeschlagenen Trick mit katastrophalen Folgen
zu erbitterten Feinden, die sich gegenseitig ausspionieren
und zu übertreffen versuchen. Eine intelligent und
amüsant inszenierte Unterhaltung mit schönen Verweisen
auf die Filmgeschichte. Christopher Nolans Film
bietet ebenso viele Fallen und Tricks wie die Lebensgeschichte
der beiden Magier selbst, die bis zum Schluss immer
neue Verwirrungen und Rätsel bereithält. - Sehenswert
ab 14.
|
Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr.
37972
Christopher Nolans „Prestige – Meister der Magie“
beginnt damit, dass Michael Caine einem kleinen
Kind, dessen Naivität ebenso die des Publikums sein
könnte, die Prozedur eines Zaubertricks – eines
jeden Zaubertricks – erklärt. „Jeder große magische
Trick“, erläutert er, „besteht aus drei Akten“:
the Pledge, the Turn und – der wichtigste von allen
– the Prestige. Die erste Stufe stellt eine ziemlich
gewöhnliche Situation vor; die zweite verwandelt
sie in etwas überraschend Ungewöhnliches; aber erst
die dritte offenbart die oft schockierende Kunst
des Magiers, die das Publikum beifällig bewundern,
wenn auch kaum jemals rational begreifen kann. Nolan
wäre nicht Nolan, der einstige Autor des rückwärts
inszenierten Puzzle-Films „Memento“ (fd 35 173),
hätte er diese Definition nicht von vornherein auch
als Grundriss für seinen neuen Film begriffen. „Prestige“
wäre nur eine hübsche atmosphärische Geschichte
um zwei rivalisierende Zauberkünstler, spielte der
Regisseur nicht fortwährend seine eigenen Tricks
mit dem Publikum. Der Zuschauer ist natürlich ahnungslos,
dass hier eine Story ausgebreitet wird, die mindestens
genauso viele Verführungen, Fallen und Tricks enthält
wie die Lebensgeschichte der beiden Magier auf der
Leinwand. Und selbst wenn er eine Ahnung besäße,
sähe er sich wohl kaum in der Lage, die Wahrheit
hinter der Scheinwirklichkeit zu entdecken.
|
|
Nolans Filme sind alle durchzogen von der Suche
nach Identität. Die Charaktere, die er vorstellt,
sind nie, was sie zu sein scheinen. Erst am Ende
der jeweiligen Handlung erfährt der Zuschauer, wes
Geistes Kind sie sind. Und auch dann bleiben genügend
Zweifel übrig, ob nicht die Komplexität der menschlichen
Natur noch einen Streich spielen könnte. Die zwei
Seelen in der Brust von Batman – dessen letzte Fortsetzung,
„Batman Begins“ (fd 37 111), Nolan inszeniert hat
–, das psychologische Katz-und-Maus-Spiel in „Insomnia“
(fd 35 617) und die Suche nach dem eigenen Ich in
„Memento“ legten Zeugnis ab für Nolans zentrale
Thematik. In „The Prestige“ ist es nicht anders.
Die Konflikte zwischen den Personen werden angeheizt
von deren Persönlichkeit, doch was diese Persönlichkeit
wirklich ist, bleibt lange unklar oder wird immer
wieder revidiert. Dieser Hang zu ambivalenten Charakteren
und deren bloß schrittweiser Identifikation macht
die Figuren in Nolans Filmen fürs Publikum interessant
(wenn auch nicht im herkömmlichen Sinn als Kinohelden,
worunter wohl am meisten sein „Batman“-Film gelitten
hat) und ist gleichzeitig eine Erklärung dafür,
warum sie trotz der Bedächtigkeit – oft sogar Pedanterie
– von Nolans Inzenierungsstil die Spannung aufrechterhalten.
Das Umfeld der auf Illusionen basierenden Welt professioneller
Magier gibt auf jeden Fall unter allen seinen Filmen
den bisher glaubwürdigsten Hintergrund für Nolans
Obsession mit den faustischen Qualitäten der menschlichen
Seele ab.
|
|
Nach der vielversprechend geheimnisvollen Begrüßung
durch den wie immer allein schon dank seiner Schauspielkunst
magisch involvierenden Michael Caine hebt der Film
an wie eine Mischung aus historischem Gesellschafts-
und Mörder-Drama. Da steht jemand im London des
ausgehenden 19. Jahrhunderts vor Gericht, von dem
man erfährt, dass er ein erfolgreicher Zauberkünstler
ist. Seine Freundschaft mit einem Kollegen ist durch
einen fehlgeschlagenen Trick, der zu einem schrecklichen
Todesfall geführt hat, ins Gegenteil verwandelt
worden. Nun sind die beiden erbitterte Rivalen,
die sich gegenseitig ausstechen wollen. Sie belauern
die Auftritte des anderen, um herauszufinden, worin
die Verblüffungskünste des Gegners bestehen. Und
sie treiben es so weit, dass sie in sich gegenüberliegenden
Theatern dasselbe Kunststück zum Besten geben, jeder
von sich behauptend, er führe den perfekteren Trick
vor. Sehr bald vergiftet die Rivalität auch das
Privatleben der einstigen Partner. Die Assistentin
des einen wird zur Kurtisane des anderen und spielt
eine fatale Doppelrolle, in deren Folge die Ehe
des Betroffenen scheitert und dessen Frau sich aus
Verzweiflung erhängt. Die Rivalität wächst sich
zur erbitterten Fehde aus, in der jeder nur noch
danach sinnt, den anderen zu zerstören. Ein alles
je Dagewesene übertreffendes Kunststück von geradezu
Frankensteinscher Spektakularität bereitet die Szene
für eine letzte, entscheidende Auseinandersetzung.
|
|
Dieser Plot ist nichts als das vordergründige
Material einer Geschichte, in deren Verstrickungen
und Verwirrungen der Zuschauer immer aufs Neue dazu
verführt wird, Vorgänge und Motivationen zu erahnen,
ohne in Wirklichkeit die Hintergründe überblicken
zu können. Der Film funktioniert Szene für Szene
nach dem vorangestellten Rezept eines jeden guten
Zaubertricks. Illusion und Magie sind es, mit denen
Nolan jongliert wie der Zauberer mit dem Kaninchen
– seien es Details in der Motivationskette, die
er nicht verrät, oder geschickte Manipulationen
von Zeit und Raum, Rückblenden versteckt in Rückblenden
oder einfach auch nur bis zum Ende verschwiegene
oder verborgene Elemente der Geschichte. Es gelingt
Nolan in der Tat, den ganzen Film hindurch die Aufmerksamkeit
des Publikums wach zu halten und an jeder Wendung
der erzählten Story für eine neue Überraschung gut
zu sein. Das allein wäre schon Kunststück genug
für einen Film, der nicht nur von Zauberkunst erzählen,
sondern auch selbst ein Zauberkunststück sein möchte.
Was aber darüber hinaus fasziniert, ist die Verflechtung
diverser Genres, die Nolans Kenntnis der Filmgeschichte
beweist. Vom klassischen Kostümfilm über die geheimnisumwitterten
Gesellschaftsfilme der J. Arthur Rank-Ära bis zur
Science Fiction hat er vieles verinnerlicht und
umgesetzt, was Generationen von Fans ins Kino gelockt
hat. So wurde „Prestige“ eine amüsante Hommage auf
die Magie des Films und auf die Wunder, die er vollbringen
kann, um sein Publikum zu verführen.
|
|
|
Franz Everschor
|

Copyright(c) 2007 Filmklub Lauffen. Alle Rechte vorbehalten. webmaster@filmklub.de
|