|
|

Vorführung:
Donnerstag, 18.09.2008 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
| Ratatouille |
|
|
| USA, 2007 |
|
| Länge: |
110 Minuten |
| FSK: |
o.A.; f |
| FBW: |
bw |
| Produktion: |
Brad Lewis |
| Regie: |
Brad Bird |
| Buch: |
Brad Bird |
| Kamera: |
Robert Anderson, Sharon Calahan
|
| Musik: |
Michael Giacchino
|
| Schnitt: |
Darren Holmes
|
|
|
| Kurzkritik |
|
|
Eine durch das Schicksal und den Geist eines
Meisterkochs in ein Pariser Luxusrestaurant verschlagene
Ratte mit kulinarischen Ambitionen verhilft einem
untalentierten Tellerwäscher zum gastronomischen
Durchbruch - getreu dem Motto des seligen Hausherrn
"Jeder kann kochen!". Ein herzerwärmender,
ebenso spannender wie melodramatischer 3D-Animationsfilm,
der die Tradition des Pixar Animation Studios weiterführt
und nun auch einer kochenden Ratte formal wie technisch
gleichermaßen souverän eine Seele verleiht. - Sehenswert
ab 6.
|
Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr. 26001
Frankreich ist nicht nur das Land der Liebe,
sondern auch das Land von Michelin, Gault Millau,
Paul Bocuse, Champagner – und von Auguste Gusteau,
dessen Fünf-Sterne-Restaurant, direkt an der Seine
gelegen, den Blick auf den Eiffelturm versüßt. Der
dickliche, sympathische Koch war zu Lebzeiten nicht
nur den Reichen und Schönen sowie den mächtigen
Gourmetkritikern ein Begriff, sein Einfluss reicht
selbst nach seinem Tod buchstäblich bis in die kleinsten
Winkel. Auch hinter den prall gefüllten Komposthaufen
in einem Garten auf dem Lande, den eine alte Dame
fleißig mit Leckereien von vor einer Woche füllt.
Dort wohnt Remy mit seiner Familie und ein paar
hundert mehr oder minder verwandten Artgenossen.
Auch wenn er sich gegen seine Herkunft als Ratte
nicht wirklich wehren kann, besteht er doch auf
dem kleinen Unterschied, der ihn von seinen Artgenossen
trennt: Er isst nichts auf sechs Beinen Dahergelaufenes
oder in graugrünlichen Farben vor sich Hinschimmelndes,
sondern bevorzugt gut Abgehangenes, fein abgeschmeckt
und am besten mit gutem Wein dazu. So ist es nicht
weiter verwunderlich, dass sowohl das Studieren
des Kochbuchs von Gusteau als auch das Anschauen
der TV-Show des Meisterkochs – Gott hab’ ihn selig
– zu den Lieblingsbeschäftigungen der kleinen Ratte
zählen; denn neben seinen köstlichen Kochideen ist
es vor allem Gusteaus Grundeinstellung „Jeder kann
kochen“, die Remy so ungemein ermutigend und sympathisch
findet. So will es das Schicksal – unter maßgeblicher
Mithilfe der geisterhaft aus dem Kochbuch entsprungenen
„guten Fee“ Gusteau –, dass sich der nagende Gourmet
von Feld und Familie trennt und direkt vor die Tür
des Pariser Gourmet-Tempels gespült wird. Doch der
Lack der ehrwürdigen Institution blättert seit dem
Ableben des Maestros. Sein Nachfolger Skinner kann
Gusteau nicht das Wasser reichen, und so purzeln
die Sterne wie Herbstlaub. Es braucht eine gehörige
Kraftanstrengung und viele Abenteuer, bis sich der
Geister-Gusteau wieder beruhigt auf Wolke Sieben
zurückziehen und der kleine Rattenfeinschmecker
den Ruf von „Gusteau“ wieder herstellen kann – ausgerechnet
zusammen mit dem untalentiertesten Mitarbeiter des
Hauses, der Küchenhilfe Linguini.
|
|
Die Geschichten, die in den Pixar Animation Studios
computergeneriert zum Leben erweckt werden („Toy
Story“, fd 31 810; „Findet Nemo“, fd 36 237, „Cars“,
fd 37 766), liegen alles andere als auf der Hand.
Sie sind so abstrus und so schön, so weit hergeholt
und so naheliegend wie die Märchen der Gebrüder
Grimm – mit dem einen kleinen Unterschied, dass
sie „leben“. Ihre Protagonisten – ein ungestümes
Auto, ein selbstbewusster, aber unterentwickelter
Fisch, ein in die Jahre gekommener Spielzeug-Cowboy
– sind allesamt Helden ohne weiße Weste, deren Makel
gleichzeitig Hemmschuh und Sympathietrumpf ist.
Eine der größten Leistungen haben Drehbuchschreiber
und Animatoren nun mit der Ratte Remy vollbracht:
Der Racker ist für einen Vierbeiner, der sich normalerweise
durch jeden Schlitz im Komposthaufen zwängen kann,
erstaunlich groß; seine Ohren, die jeden Angriff
von hysterischen Omas bereits aus sicherer Entfernung
wahrnehmen können, sind trotzdem etwas überdimensioniert,
sein aschgraues Fell ist viel zu kuschelig für die
Kanalisation. Die riesigen Augen passen mit der
zartrosa Knuddelnase perfekt in jedes Kindchenschema
und ersticken jede Ratten-Phobie im Ansatz, sodass
man, wenn man nach „Ratatouille“ aus dem Kino kommt,
unwillkürlich nach den pelzigen Tieren Ausschau
hält, um ihnen in der heimischen Küche ein neues
Zuhause anzubieten. Das ist das wahre Geheimnis
von Regisseur und Autor Brad Bird, der für Pixar
bereits „Die Unglaublichen“ (fd 36 818) realisierte.
Weniger die zugegebenermaßen wieder hinreißend perfekte
3D-Animation ist es, die den Zuschauer in den Bann
zieht, als die Seele, die aus jedem Detail strömt.
Hier geht es nicht um Naturalismus, hier geht es
um Emotionen. Dazu gehört, neben der Beherrschung
der Technik als Grundlage, auch der Mut, eine Geschichte
ins Nebensächliche fließen zu lassen. „Ratatouille“
lebt von einer Leichtigkeit, die ohne Krampf und
Sentimentalität unbeschwert zwischen Action, Comedy
und Melodram changiert. Die beiläufige Sequenz,
in der Linguini und Remy am Ufer der Seine zueinander
finden, ist eine Sternstunde des Trickfilms, die
alle Ingredienzien des Kinos exemplarisch auf vier
Minuten komprimiert.
|
|
Ein Glück auch, dass die deutsche Synchronisation
hier nicht durch prominente, aber untalentierte
Star-Stimmen alles kaputtmacht – zwei Sätze von
Tim Mälzer sind höchstens noch eine weitere Pointe.
|
|
|
Jörg Gerle |

Copyright(c) 2007 Filmklub Lauffen. Alle Rechte vorbehalten. webmaster@filmklub.de
|