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04.03.2010 um 17:30 Uhr und 20:00 Uhr
Saint Jacques...
Pilgern auf Französisch
Frankreich, 2005
Roadmovie
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Produktionsfirma:
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Téléma/France 2 Cinéma/Eniloc Films
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Verleih:
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Kino: Schwarz-Weiss/Agora Films (Schweiz)
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Länge:
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110 Minuten
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FSK:
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ab 6; f
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| Regie: |
Coline Serreau
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| Buch: |
Coline Serreau
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| Kamera: |
Jean-François Robin
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| Musik: |
Hugues Le Bars
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| Schnitt: |
Catherine Renault
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| Darsteller |
Muriel Robin (Clara), Artus de Penguern (Pierre),
Jean-Pierre Darroussin (Claude), Pascal Légitimus
(Guy), Marie Bunel (Mathilde), Marie Kremer (Camille),
Flore Vannier-Moreau (Elsa), Aymen Saïdi (Ramzi),
Nicolas Cazalé (Zaïdi)
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| Kurzkritik |
| Drei Geschwister - eine streitbare Lehrerin,
ein strebsamer Unternehmer und ein stets alkoholisierter Tunichtgut -
unternehmen gemeinsam eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela, weil
sie nur so das Erbe ihrer Mutter antreten können. Im Lauf des
beschwerlichen Fußmarschs kühlen sich ihre Gemüter ab, und am Grab des
Apostels Jakobus stellt sich so etwas wie Familiengemeinschaft ein. Die
Wallfahrt als Reise zu sich selbst in Form eines langsamen Road Movie.
Die warmherzige Geschichte ist zwar vorhersehbar, unterhält aber auf
sanft-sympathische Weise. - Ab 14. |
Kritik aus Filmdienst 38299: Wenn sich
zerstrittene oder bunt zusammen gewürfelte Menschengruppen
gemeinsam auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela
begeben, ist das nicht automatisch komisch. Im Fall
von Coline Serreau, seit „Drei Männer und ein Baby“
(fd 25 589) zumindest den Zahlen nach die erfolgreichste
Frau auf dem Regiestuhl seit Beginn der Fünften
Republik, ist der hohe Unterhaltungswert vorprogrammiert.
Die 59-Jährige Pariserin lässt acht chronisch meckernde
Streithähne plus Führer losmarschieren. Im Mittelpunkt
des Geschehens platziert sie drei verfeindete Geschwister:
einen Alkoholiker, einen tablettensüchtigen Workaholic
mit Hang zum zwanghaften Perfektionismus und eine
Feindin des „reaktionären Kirchenkrams“. Sie unterziehen
sich der zweimonatigen Pilgerreise nur, um dem millionenschweren
Testament der Mutter nachzukommen. Eine Schönheit
mit Kopftuch, ein Freundinnen-Duo und zwei Immigrantenkinder
sind auch mit von der Partie, wobei sich der Jüngere
als Analphabet entpuppt, der sich zudem auf der
Pilgerfahrt nach Mekka wähnt. Von der globalen Verunsicherung
sind alle neun erfasst, und so gewinnt ein längst
überholt geglaubtes Ritual plötzlich an neuer Attraktivität.
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„Ich bin dann mal weg“ lautet die Bestseller-Reise-Reportage von Hape
Kerkeling, in der sich der Komiker seiner Profession gemäß über seine
Wanderung zum spanischen Wallfahrtsort entsprechend humoristisch
auslässt. Der unerwartete Erfolg des Themas ist wohl auch der Grund
dafür, dass Serreaus bereits zwei Jahre altes, gänzlich unmotorisiertes
„Road Movie“ nun doch den Weg auf die deutschen Leinwände findet. Der
Kontrast zwischen Legende und Wirklichkeit der seit einigen Jahren im
Zuge esoterischer Konjunkturen wieder beliebten Fußwanderung sorgt auch
in ihrer Betrachtung der neuen Pilger-Mode fast schon wie ein
Selbstläufer für entsprechende Turbulenzen. Auf dem Weg zu sich selbst
werden zwar manche Klischees bemüht, insgesamt aber sind vor allem die
Figuren der beiden Muslime in dieser Allegorie auf die heutige
Multi-Kulti-Gesellschaft genügend politisch inkorrekt angelegt, um in
spritzigen Volten und liebevoll inszenierten Streitereien die
Verbindungslinien zwischen den großen Religionen aufscheinen zu lassen.
Fern der täglichen Routine gelangen inmitten schönster Landschaften alte
Träume und Sehnsüchte an die Oberfläche, politische Ansichten werden
lautstark ausgetauscht, um in Freundschaften fürs Leben zu münden, und
manch ein Zivilisationsgepäck lässt sich auf der alle Sinne befreienden
Pilgerreise auch noch abwerfen. Auch wenn die meisten Figuren mehr Typen
als Charaktere sind, erfüllt der sympathische Wohlfühlfilm als so
kurzweilige wie intelligente Entspannungsübung für
Midlife-Crisis-Gebeutelte durchaus seine Vorgaben. Die schrille erste
Hälfte weicht allmählich subtileren Zwischentönen, und am Ende feiert
sich das ostentativ versöhnliche Märchen für Erwachsene selbst: Jeder
soll nach seiner Fassung selig werden, aber dank der Reibung mit den
anderen ist man manchmal schneller am Ziel. Diese Botschaft mag utopisch
sein, in einer so fein durchdachten, subtil systemkritischen und
augenzwinkernden Komödie nimmt man sie als Mitbringsel von der
beschwerlichen Wanderung gerne in Kauf. |
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Alexandra Wach |

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