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Vorführung:
Donnerstag, 26.11.2009 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
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Frankreich, 2008
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| Länge: |
106 Minuten |
| FSK: |
o.A.; f
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| Produktion: |
Claude Berri, Jérôme Seydoux
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| Regie: |
Dany Boon
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| Buch: |
Dany Boon, Alexandre Charlot, Franck Magnier
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| Kamera: |
Pierre Aïm
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Musik
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Philippe Rombi
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| Schnitt: |
Luc Barnier
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Darsteller:
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Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Lorenzo Ausilia-Foret,
Anne Marivin, Philippe Duquesne, Guy Lecluyse, Patrick
Bosso, Zinedine Soualem, Jerome Commandeur, Line
Renaud, Michel Galabru, Stephane Freiss
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| Kurzkritik |
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Der Leiter eines Postamts in der Provence wird
in den Norden Frankreichs strafversetzt. Seine Frau
ist entsetzt und weigert sich, ihn zu begleiten.
Groß ist das Erstaunen des Mannes aber, als ihm
ein warmherziger Empfang beschert wird. Er beginnt
sein neues Leben zu genießen, belässt es aber bei
den Vorurteilen seiner Ehefrau, weil er ihr Mitgefühl
genießt. Als der Schwindel aufzufliegen droht, legen
sich die neuen Freunde ins Zeug, um den schlechten
Ruf ihrer Region zu bestätigen. Der amüsante Film
lebt von zwei vorzüglichen Hauptdarstellern und
überzeugt auch in der Synchronfassung durch seinen
Sprachwitz. Mit liebenswerten Figuren bevölkert,
verkehrt die Komödie festgefahrene Klischees ins
Gegenteil und führt sie auf sympathische Weise ad
absurdum. - Ab 12.
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Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr.
38956
Vor der belgischen Grenze fängt der Nordpol an.
Die Provinz Nord-Pas-de-Calais gilt den übrigen
Franzosen als No-Go-Area, deren Bevölkerung sich
aus erbarmungswürdigen Spinnern und Alkoholikern
zusammensetzt. Die „Sch’tis“ verdanken ihren Spitznamen
einem im übrigen Frankreich angeblich unverständlichen
Dialekt, der in Dany Boons munterer Komödie um binnennationale
Klischeebarrieren allerdings kräftig überzeichnet
wird. In der deutschen Synchronisation spricht Christoph
Maria Herbst die Eingeborenen-Rolle Dany Boons in
einem Kunstdialekt, der an die Averner in dem Asterix-Klassiker
erinnert.
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Für Philippe Abrams, der mit Frau Julie und Söhnchen
in der Provence wohnt, steht außer Frage, dass Nord-Pas-de-Calais
der letzte Fleck auf Erden ist, an dem er leben
möchte. „Ich will nicht in die Antarktis“, klagt
auch der Kleine. Doch Philippe, Vorsteher eines
Postamts, wird ausgerechnet dorthin strafversetzt.
Weil er seiner gemütslabilen Gattin die Côte d’Azur
versprochen hat und ihr das finstere Gegenteil fürs
Erste nicht zumuten mag, macht er sich zunächst
alleine in den Norden auf. Alle Vorurteile scheinen
sich zu bewahrheiten. Kaum ist Philippe am Autobahnschild
„Bienvenue en Région Pas-de-Calais“ vorbeigefahren,
prasselt ein Dauerregen auf die Windschutzscheibe.
Im wolkenverhangenen Städtchen Bergues läuft ihm
ein Einheimischer vors Auto, dessen dialektales
Genuschel Philippe auf einen mittelschweren Kieferbruch
zurückführt. Doch hier sprechen alle so, dies ist
das Land der Sch’tis. Das in Wahrheit unverletzte
Unfallopfer entpuppt sich als einer von Philippes
zukünftigen Angestellten: eine überraschend muntere
Truppe, die dem Südländer in den kommenden Wochen
dazu verhilft, mit seiner neuen Heimat warm zu werden.
„Ein Fremder, der in den Norden kommt, weint zweimal“,
wissen die Sch’tis, „wenn er ankommt und wenn er
wieder fährt.“ Warum es am Eurotunnel so schön ist,
realisiert der Neuankömmling erst peu à peu, beim
Abendessen in der Altstadt von Lille und beim Strandsegeln
mit Antoine. Nur Philippes Frau darf über die Vorzüge
des Nordens auf keinen Fall aufgeklärt werden. Sie
kümmert sich an den gemeinsamen Wochenenden in der
Provence so rührend um den vermeintlichen Märtyrer,
wie es Philippe in all den Ehejahren nicht erlebt
hat.
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Dany Boon, der neben Konzeption und Regie auch
die Rolle des Briefträgers Antoine übernommen hat,
stammt selbst aus der Region Nord-Pas-de-Calais.
Das Vorhaben, seine Heimat aus dem mit Armut, Verzweiflung
und Arbeitslosigkeit verbundenen Negativ-Image herauszuholen,
ist zumindest in Frankreich aufgegangen. „Bienvenue
chez les Ch’tis“ brach dort mit über 20 Mio. Kinobesuchern
alle Zuschauerrekorde und soll als Hollywood-Remake
„Welcome to the Sticks“ 2010 auch in den USA für
den Abbau von Vorurteilen werben. Remake statt Synchronisation:
so machen das die Amerikaner. In Deutschland wäre
eine vergleichbare Totalübersetzung nach dem Modell
„Ein Münchner in Ostfriesland“ eine grausige Vorstellung;
andererseits leidet der ursprüngliche Lokalkolorit
unter der eher angestrengt eingedeutschten Tonspur.
Allerdings setzt schon das französische Original
allzu oft auf einen wenig subtilen Humor, auf dass
der Brückenschlag zwischen Nord und Süd auch überall
ankomme. Zu den eher bemühten Einlagen gehört das
Theater, dass die Postler ihrem Chef zuliebe in
einer verlassenen Bergbau-Siedlung inszenieren,
vor deren Ortseingang sie das Schild „Bergues“ pflanzen.
Philippes Ehefrau kreuzt nämlich im Norden auf,
um ihrem Mann doch beizustehen. Im falschen Bergues
kriechen kohlegeschwärzte Kumpels herum, die vom
Ende des Bergbaus nichts wissen; dort werden Katzen
gegrillt und Bierflaschen im Sekundentakt geleert.
Abgesehen von solchen Klischees, die durch Drehbuch-Plattitüden
keineswegs witziger werden, beweist Boon ein glückliches
Händchen bei der Besetzung. Er selbst kreiert den
verliebten Provinzler und Hobbyglöckner Antoine
mit Sympathie und Schalk. Line Renaud brilliert
als Antoines argusäugige Mutter, die ihrem Sohn
die Wiederannäherung an die Exfreundin und Kollegin
Annabelle (sprühend: Anne Marivin) erschwert. Kad
Merad schließlich punktet als „Fremdenlegionär“
Philippe schon in seiner ersten Slapstick-Szene,
in der er als Schein-Invalide mit Versetzungswunsch
Riviera an einem klappbaren Rollstuhl scheitert.
Zwei „Galeerenjahre“ später darf er mit Familie
dann doch in den Süden ziehen. „Ich wein’ ja gar
nicht“, sagt Philippe beim Abschied. „Doch“, bemerkt
Antoine, „Du weinscht“.
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Jens Hinrichsen
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