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Tannöd
| Deutschland, 2009 |
| Kriminalfilm, Literaturverfilmung |
| Produktionsfirma: | Wüste Film
West/Constantin Film/Hugofilm/SF Schweizer Fernsehen/SRG SSR Idée Suisse |
| Verleih: | Kino:
Constantin |
| FSK: | ab 12; f |
| Erstaufführung: | 19.11.2009 |
| Produktion: | Hermann-Josef
Emons, Stefan
Schubert, Ralph
Schwingel, Kristina
Löbbert, Martin
Moszkowicz, Christof
Neracher |
| Regie: | Bettina
Oberli |
| Buch: | Petra
Lüschow |
| Buchvorlage: | Andrea
Maria Schenkel (Roman "Tannöd") |
| Kamera: | Stéphane
Kuthy |
| Musik: | Johan
Söderqvist |
| Schnitt: | Michael
Schaerer |
| Darsteller: | Julia
Jentsch (Kathrin), Monica
Bleibtreu (Traudl Krieger), Volker
Bruch (Johann Hauer), Brigitte
Hobmeier (Barbara), Vitus
Zeplichal (Danner), Filip
Peeters (Georg Hauer), Gundi
Ellert (Ruth Hauer), Lisa
Kreuzer (Dannerin), Werner
Prinz (Pfarrer Meisner), Janina
Stopper (Betti), Andreas
Buntscheck (Handel), Peter
Harting (Bauer Sterzer), Nils
Althaus (Mich), Dagmar
Sachse (Marie Krieger) |
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| Kurzkritik |
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In einer Gewitternacht wird in einem abgelegenen Bauernhof eine
Großfamilie ermordet. Über der Tat liegt ein Mantel des Schweigens, bis
zwei Jahre später eine junge Frau in das Dorf zurückkehrt und den
Zusammenhängen nachzuspüren beginnt. Der Film verlegt einen realen
Mordfall vom Anfang des 20. Jahrhunderts in die Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg. Trotz einiger Schwächen in der Entwicklung der
Kriminalgeschichte und der Protagonisten gelingt der Inszenierung eine
beklemmend-unheimliche Atmosphäre. Eindrucksvoll (re-)konstruiert der
Film so eine filmische Welt, in der Bigotterie, Aberglauben und
Heimlichkeiten regieren. - Ab 16. |
Kritik aus Filmdienst 39527:
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Manchmal ist es tröstlich, wenn ein Film die
Konvention ernst nimmt und zunächst einmal ganz Atmosphäre ist. In der
Verfilmung von Andrea Maria Schenkels Bestseller „Tannöd“ entsteht diese
Atmosphäre aus Bildern, die sanft, aber bestimmt dem Unheil den Weg
bahnen: Ein wolkenverhangener Himmel, unter dem sich ein dunkler
Tannenwald im Wind hin und her biegt. Ein verwittertes Holzkreuz am
Wegesrand im spärlichen Abendlicht. Aus dem Off erklingt eine Litanei
zum Trost der armen Seelen, die Schuld auf sich geladen haben. Ob die
zwei Schwestern, die den menschenleeren Wald schnellen Schrittes
durchqueren, zu ihnen gehören? Die Kamera folgt ihnen zunächst bedächtig
aus großer Distanz. Die Ältere gibt herrisch den Ton an, treibt die
Jüngere voran. Als zwischen den Baumstämmen eine verwahrloste Gestalt
auftaucht, ein Waldmensch mit grotesk verzerrten Bewegungen, ist das ein
letztes Signal zur Umkehr. Wenige Meter weiter schnappt die Falle dann
zu. Die Jüngere nimmt ihre Anstellung als Magd auf dem abgelegenen Hof
Tannöd an, obwohl die Familie Danner unten im Dorf keinen guten Ruf
genießt. Geizig und streitsüchtig soll sie sein, sogar Inzest sei im
Spiel. Die zwei kleinen Kinder der Tochter stammen vom finsteren
Patriarchen, was sie nicht daran hindere, Affären mit anderen Männern
einzugehen. Die alte Mutter sei nur noch ein wandelndes Gespenst. |
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Ein liebloser Abschied an der Türschwelle. Dann ein harter Schnitt, der
Schatten einer Spitzhacke im Kerzenlicht und ein dumpfer Schlag. Nicht
nur die neue Magd ist am Ende des nächtlichen Gewittersturms tot. Die
verstümmelten Leichen der gesamten Familie Danner liegen tagelang
versteckt im Stroh. Nach dem Blutbad ist nichts mehr so, wie es einmal
war, zumal von dem Mörder jede Spur fehlt. Unerkannt lebt er immer noch
unter den streng gläubigen Dorfbewohnern, die Zuflucht im Aberglauben
suchen und mitten in der Nachkriegszeit den Teufel in der bayerischen
Provinz am Werk wähnen. |
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Dieser grandiose Prolog im Stil einer „Gothic Novel“ hält alles, was
folgt, auf Distanz. Die vielen Rückblenden, in denen Licht und Bewegung
über die blutigen Details hinweg gleiten, sodass die Bilder den Tod eher
suggerieren als ausstellen; die grün-beige-weiße Grundkolorierung des
Dorfs, die dunkle Kleidung, die mit den blassen Gesichtern kontrastiert.
Die Vergangenheit scheint hier nur einen Wimpernschlag entfernt,
verborgen hinter wiederkehrender Märchenmetaphorik und Versatzstücken
des Mystery-Thrillers. Aber man kann aus ihr entkommen in den nüchternen
Rahmen der 1950er-Jahre, in dem der Film verortet ist – eine Zeit,
deren Darstellung in ihrer Disziplinierung der Emotionen entfernt an
Michael Hanekes am Vorabend des Ersten Weltkriegs spielendes Porträt des
protestantischen Dorfs in „Das weiße Band“ (fd 39 527) erinnert. Unter
der Regie der Schweizerin Bettina Oberli („Die Herbstzeitlosen“, fd 37
818) betritt man „Tannöd“ jetzt durch die Hintertür. An der Oberfläche
nehmen die Dinge ihren gewohnten Lauf, bis zwei Jahre nach der
Familientragödie eine junge Frau an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt.
In ihrem langen, roten Mantel gibt sie bald unfreiwillig das Rotkäppchen
als Detektivin, stellt Fragen und bekommt unzählige Versionen über die
Vorgeschichte der monströsen Tat zu hören. Dazu gehören auch die
Enthüllungen über ihre eigene uneheliche Herkunft, die sie in eine tiefe
Krise stürzen. |
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Was sich im Buch als erzählerisches Mosaik zur so komplexen wie
spannenden Struktur steigerte, verliert sich im Film mitunter im allzu
wohl dosierten Stimmenrauschen. Nur Monica Bleibtreu setzt einen
Kontrapunkt: Als verhasste Kassandra stiftet sie in der Dorfkneipe
Unruhe, spricht unangenehme Wahrheiten aus und setzt sich in ihrer
letzten Kinorolle mit einer atemberaubenden Wut im Bauch selbst ein
Denkmal. Und dann ist auf einmal auch der Sog wieder da. Das liegt nicht
zuletzt an dem hervorragenden Set-Design, das die Räume mit religiösen
Utensilien mystisch auflädt und dabei das Kunststück schafft, die Gefahr
des Ausstattungsstücks mit der nötigen Portion Naturalismus zu
umschiffen. Ohnehin wandelt sich der Film gegen Ende von der
unheimlichen Mär eines vom Bösen heimgesuchten archaischen Dorfs zu
einem soliden Stück Gesellschaftskritik, einer universellen Parabel über
bigotte Strukturen, die das Wegschauen befördern und erst das
Verbrechen ermöglichen. |
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Alexandra Wach |

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