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Vorführung:
Donnerstag, 24.09.2009 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
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USA, 2008
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| Länge: |
98 Minuten |
| FSK: |
o.A.; f
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| Produktion: |
Jim Morris, Lindsey Collins
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| Regie: |
Andrew Stanton
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| Buch: |
Andrew Stanton, Jim Reardon
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| Musik: |
Thomas Newman
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| Schnitt: |
Stephen Schaffer
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| Kurzkritik |
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Auf der Erde ist seit 700 Jahren alles organische
Leben weitgehend erloschen; nur ein beseelter Müllroboter
sorgt unverdrossen für Ordnung. Als eine von menschlichen
Kolonien entsandte Hightech-Drohne auf der Erde
nach Leben suchen soll, glaubt der einsame Arbeiter,
dass sich sein Traum von Zweisamkeit doch noch erfüllt.
Mit dem Fund pflanzlichen Lebens aber droht die
zaghafte Freundschaft der Roboter zu enden. Ein
mitreißender, formal wie inhaltlich radikaler Animationsfilm,
der in der ersten Hälfte sein bezauberndes audiovisuelles
Abenteuer nahezu ohne (menschliche) Dialoge entwirft.
In der zweiten Hälfte fokussiert er nicht weniger
begeisternd auf Action, Spannung und seine ökologische
Botschaft. - Sehenswert ab 6.
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Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr.
38914
Das Kino hat seit der Einführung der „talkies“
regelrecht Angst vor dem Schweigen – was seltsam
ist für ein Medium, das doch auf die Kraft der Bilder
baut. Sieht man von Kunst- und Experimentalfilmen
einmal ab, wird im Film nur selten nicht gesprochen;
viel zu oft wird viel zu viel erklärt oder (zur
Not aus dem Off) kommentiert. Stumme Sequenzen wie
etwa die Eröffnungssequenz aus „2001 – Odyssee im
Weltraum“ (fd 15732) bleiben schon deshalb in Erinnerung,
weil das Fehlen von Dialogen ebenso irritiert wie
fasziniert. Es ist bemerkenswert, dass nun ausgerechnet
ein Animationsfilm aus dem Bereich des Mainstreams
die Wortlosigkeit auf die Spitze treibt. Schon allein
deshalb darf man Pixars animierten „Kinderfilm“
„WALL·E“ in punkto formaler Radikalität mit Kubricks
singulärem Science-Fiction-Epos aus dem Jahr 1968
vergleichen.
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In „WALL·E“ gibt es nichts zu reden, weil es
keine Menschen mehr gibt. Vor gut 700 Jahren haben
die letzten die Erde verlassen; der verseuchte,
lebensfeindliche Planet bot keine Alternative mehr
zu den riesigen Luxusraumschiffen, die ein sorgenfreies
Leben versprachen. Es ist eher Zufall, wenn auf
der Erde der großspurige Werbeclip auf einem der
riesigen Bildschirme aktiviert wird, der von den
ewigen Ferien auf dem megalomanen Sternenkreuzer
schwärmt. Das sind dann aber auch die einzigen „menschlichen“
Worte, die durch die verlassenen Ruinen hallen.
Ansonsten ertönt nur Gefiepse, das Knirschen von
Metall auf steinernem Untergrund sowie der blecherne
Sound einer alten Videokassette, aus der mindestens
einmal täglich „Put on your Sunday Clothes“ tönt.
Verantwortlich dafür ist WALL·E, ein kleiner Roboter
mit Planierraupenfüßen, den dreifingrigen Greifhänden
eines Fließbandsklaven und zwei Webcam-Augen. In
seinem kubischen Körper lässt sich Schrott zu stapelbaren
Würfeln pressen. Das macht er nun schon seit 700
Jahren, was dazu führte, dass er die Landschaft
um einige metallerne Wolkenkratzer bereichert hat.
WALL·E ist sozusagen eine „Laune der Natur“: Nicht
nur, dass er noch funktioniert, wo sonst gar nichts
mehr funktioniert; in ihm hat sich auch etwas entwickelt,
was von seinen Konstrukteuren nicht geplant worden
war: eine Art Seele! Deshalb frönt WALL·E am Feierabend
seinen Hobbys: dem Sortieren seines Lieblingsmülls,
dem Spiel mit seiner Haus-Kakerlake namens HAL (!)
oder dem sentimentalen Schwelgen zu besagtem Song
aus dem Musical „Hello Dolly“. Insgeheim sehnt sich
der kleine Roboter danach, auch einmal mit seinesgleichen
Händchen halten zu können – ganz so wie in dem Ausschnitt
auf der Videokassette, die er sich jeden Abend anschaut.
Als dann eines Tages ein riesiges Raumschiff landet,
um eine kleine Drohne in die Mülllandschaft zu entlassen,
könnte sein Traum sogar in Erfüllung gehen. Doch
der Hightech-Roboter namens EVA ist zunächst alles
andere als erpicht auf zwischenrobotische Beziehungen.
Erst WALL·Es fast schon zärtliche Beharrlichkeit
weicht die auf Feindschaft programmierten neuronalen
Netzwerke EVAs auf – ganz verhalten spüren die beiden
so etwas wie Freundschaft. Doch als WALL·E EVA seinen
neuesten Müllfund, ein kleines grünes Etwas, zeigt,
übernimmt EVAs eigentliche Bestimmung das Kommando
über ihre Schaltkreise: das Sichern und Bergen von
Lebensformen.
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Bis zu diesem Moment – also fast bis zur Hälfte
des Films – wartet man vergeblich auf signifikantere
Dialogsätze, die über „WALL·E!“ und „EVA!“ hinausgingen.
Obwohl diese niemand vermisst, im Gegenteil. Jeder
Satz ist überflüssig in dieser anrührendsten Liebesgeschichte
seit Romeo und Julia. Für alles, was trotzdem gehört
werden soll, sorgen zwei Männer: Ben Burtt und Thomas
Newman. Der 60-jährige Sounddesigner Burtt war u.a.
dafür verantwortlich, dass das Lichtschwert in „Krieg
der Sterne“ (fd 20658) so klingt, wie es klingt,
dass Darth Vader so angsteinflößend atmet und man
bei R2-D2 nie bedauert hat, dass er nicht spricht
wie ein Mensch. Burtt sorgt auch in „WALL·E“ für
das, was Roboter von sich geben, wenn sie unter
sich sind, was mindestens so aussagekräftig ist
wie menschliche Sprache. Der Film ist zwar dialoglos,
aber alles andere als leise. An die Stelle des gesprochenen
Wortes als Ausdrucksmittel tritt im Fall von „WALL·E“
umso stärker die Musik. Thomas Newman ist von „Die
Verurteilten“ (fd 31221) über „American Beauty“
(fd 34006) bis hin zu „The Good German“ (fd 38062)
insgesamt acht Mal für den „Oscar“ nominiert worden
und er wird es für „WALL·E“ auch ein neuntes Mal
werden. Seine Musik ergeht sich in allem, was Holzbläser-,
Saiten- und Schlaginstrumente bieten können. Besonders
die Flöte, das Xylophon und diverse Harfenvarianten
übersetzen auch die abstraktesten Regieanweisungen
in erlebbare Emotionen. Gleich einer romantischen
Programmmusik wie etwa Tschaikowskys Ballett zu
„Romeo und Julia“ spielt Newman mit Sentiment und
Dramatik und sorgt so, mal mehr, mal weniger explizit,
für Gänsehaut. Verschwiegen werden soll an dieser
Stelle natürlich nicht die perfekte Animationskunst
aus dem Hause Pixar, die es von „Toy Story“ (fd
31830) bis „Ratatouille“ (fd 38348) immer wieder
schafft, absonderliche Geschichten in glaubhafte
(Computer-)Bilder zu transferieren. Regisseur Andrew
Stanton und seinem Character-Art-Designer Jason
Deamer haben es geschafft, einem Roboter, der aus
wenig mehr besteht als zwei Fotozellen und sechs
Metallfingern, die ganze Palette (menschlicher)
Gefühle einzuhauchen. Das allein wiegt weit mehr,
als der mit großem Aufwand erfolgreich betriebene
Versuch, Computeranimation mittels der dritten Dimension
noch „echter“ wirken zu lassen.
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Die Geschichte um WALL·E und EVA geht natürlich auch nach dem
Pflanzenfund weiter. Sie wird konventioneller, weil dramatisch
zugespitzt, und erhält mit einem Haufen „behinderter“ Roboter die für
einen Trickfilm unvermeidlichen komischen Sidekicks. Schließlich findet
das Geschehen seinen actionreichen Höhepunkt auf dem Mega-Raumschiff,
in dem die Roboter für ihre Liebe, den Erhalt der Pflanze und damit für
den Neuanfang einer Menschheit kämpfen, die in den letzten sieben
Jahrhunderten zu einem Volk aus lauter dicken Würmern degeneriert ist.
Womit das Ganze schließlich auch eine propere ökologische Botschaft
erhält. Für immer und ewig aber wird die erste Hälfte von „WALL·E“ im
Gedächtnis haften bleiben, die dem Zuschauer die drei wichtigsten
Tugenden des Kinos in Erinnerung rufen: zuschauen, zuhören, gebannt
sein! |
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Jörg Gerle
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