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Vorführung:
Donnerstag, 12.03.2009 17:30 Uhr und
20:00 Uhr auf deutsch
| Die Welle
Deutschland, 2007
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| Länge: |
107 Minuten |
| FSK: |
ab 12; f |
| Produktion: |
Christian Becker, Martin Moszkowicz, David Groenewold,
Franz Kraus, Antonio Exacoustos
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| Regie: |
Dennis Gansel
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| Buch: |
Dennis Gansel, Peter Thorwarth
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| Kamera: |
Torsten Breuer
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| Musik: |
Heiko Maile
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| Schnitt: |
Ueli Christen
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| Darsteller |
Jürgen Vogel (Rainer Wenger), Frederick Lau (Tim),
Max Riemelt (Marco), Jennifer Ulrich (Karo), Christiane
Paul (Anke Wenger), Elyas M'Barek (Sinan), Cristina
Do Rego (Lisa), Jacob Matschenz (Dennis), Maximilian
Vollmar (Bomber), Maximilian Mauff (Kevin)
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| Kurzkritik |
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Der Lehrer einer höchst durchschnittlichen Klasse
gerät in eine nicht nur pädagogische Zwickmühle,
als sich seine Schüler während einer Projektwoche
zum Thema "Autokratie" seinen Forderungen
bedenkenlos unterordnen und sich schließlich in
Belangen solidarisieren, die zuvor kaum wahrgenommen
wurden. Die Verfilmung eines amerikanischen Jugendbuch-Bestsellers
hinterfragt im Rahmen einer spannenden Geschichte
gleichgeschaltetes Verhalten und stellt das Für
und Wider einer solchen Geisteshaltung zur Disposition.
Dabei liefert der Film keine Antworten, sondern
fordert zur Auseinandersetzung auf. - Sehenswert
ab 16.
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Ausführliche Kritik aus film-dienst Nr.
38615
Gruppen, Gemeinschaften und Gesellschaften –
es ist die Befindlichkeit eines Individuums innerhalb
einer organisierten Form, die Regisseur Dennis Gansel
ganz besonders zu interessieren scheint. Immer geht
es in seinen Filmen um Gruppendynamik, Machtverhältnisse,
Verführung und Anerkennung. Immer geht es um Zivilcourage
und Selbstbewusstsein und um die Fähigkeit, für
seine eigenen Überzeugungen auch gegenüber einer
breiten Mehrheit einzutreten. Schon in seinem Spielfilmdebüt
„Das Phantom“ (2000) – erstaunlicherweise eine Produktion
des Privatsenders ProSieben, einer der besten TV-Filme
der letzten Jahre – untersuchte er die bundesrepublikanische
Gesellschaft und ließ einen Polizisten (Jürgen Vogel)
eine staatsverschwörerische RAF-Theorie aufdecken.
Spielt Vogel hier noch eine Opferrolle, einen Menschen,
der zufällig und unwillentlich in etwas hineingezogen
wird, gibt er in „Die Welle“ den aktiven Verführer.
Er spielt den dynamischen und beliebten Lehrer an
einer Durchschnittsschule, der in der Projektwoche
das Thema Autokratie bearbeiten muss. In seinem
Kurs kommt die Frage auf, ob eine Diktatur, heute
und in Deutschland, überhaupt noch möglich sei.
Uneinig startet die Klasse ein Experiment: Der Lehrer
spielt den unumschränkten Herrscher, dessen Schüler
allem folgen müssen, was er anordnet. Nach und nach
freundet sich der Großteil der Klasse mit der verordneten
Disziplin und den eindeutigen Vorgaben an, beginnt
sich immer stärker miteinander zu solidarisieren
– und folgerichtig Andersdenkende auszuschließen.
„Die Welle“ basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker
von Morton Rhue, der wahre Erlebnisse eines Lehrers
an einer kalifornischen Schule schildert.
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Der Film ist die konsequente Fortsetzung einer
Thematik, die Gansel schon in „Napola“ (fd 36 860)
zur Diskussion gestellt hat. Eine Diskussion, die
leider von der politischen Debatte um „Der Untergang“
(fd 36 679) überdeckt wurde. Viele Kritiker warfen
Gansel vor, sein Film würde nicht genügend hinterfragen,
ja die Nazi-Zeit teils verherrlichen, weil er –
ebenso wie „Der Untergang“ – die Distanz nicht wahren
und durch zuviel Nähe dem Faszinosum der schlechten
Seite erliegen würde. Doch wie soll man ohne Nähe
den Dingen auf den Grund gehen? Gansel ist jemand,
der diese Nähe sucht. Er zeigt, warum Menschen sich
für eine Sache begeistern können, die grundlegend
falsch ist, die aber trotzdem mit Ideen und Perspektiven
lockt, nach denen sich viele Menschen sehnen. Eines
dieser positiven Elemente wird in einer der Schlüsselszenen
der „Welle“ aufgegriffen, in einer scheinbar kleinen
Momentaufnahme auf dem Schulhof: An jeder Schule
gibt es Schüler, die gehänselt oder tyrannisiert
werden, und so wird auch hier gezeigt, wie ein Junge
von zwei Mitschülern aufgezogen wird. Das Opfer
ist dieses Mal allerdings Mitglied der Autokratie-Projektgruppe,
was man an seinem weißen Hemd erkennen kann, das
jedes Gruppenmitglied uniform trägt. Zunächst zögernd,
aber dann mit wachsender Überzeugung springen dem
Jungen nun zwei weitere Gruppenmitglieder zur Seite;
eine Situation, die ohne das durch äußere Umstände
geschaffene Zusammengehörigkeitsgefühl nicht zustande
gekommen wäre. Was geht nun aber in dem Menschen
vor, dem zum ersten Mal geholfen wurde? Muss in
dem Augenblick seine Begeisterung für die Gruppe
nicht immens sein? In dieser Szene legt der Film
das Fundament für die Frage nach Verführung und
Begeisterung, denn hier entsteht das positive Element
für die Protagonisten nur indirekt durch den Einfluss
des Demagogen, hier zeigt das Experiment individuelle
Konturen durch die Eigeninitiative und das Handeln
einzelner Schüler. „Die Welle“ ist wie schon sein
Vorgänger „Napola“ ein wertvoller Beitrag zur Diskussion
um menschliche Regungen, Wünsche und Bedürfnisse.
Es geht um die Verantwortung des Individuums in
der Gesellschaft und darum, wie anfällig unser scheinbar
so selbstsicheres Ich sein kann. Ganz nebenbei festigt
Gansel mit dem Film seinen Ruf, schwierige Stoffe
unterhaltsam und spannend verpacken zu können. Das
ist nach der diskursiven Ebene die zweite große
Leistung des Films.
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Mike Beilfuß |

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